Cities: Skylines – Test / Review der Städtebausimulation

Mit Städtebausimulationen mussten wir in der Vergangenheit ja eher negative Erfahrungen machen. Nachdem SimCity nicht so der Kracher war und auch Cities XXL aufgrund fehlender Innovation eher enttäuschte sehen wir nun sehr hoffnungsvoll auf Cities: Skylines. Bevor wir mit dem Spiel loslegen können, müssen wir zunächst mal eine Karte auswählen. Die Karten sind recht unterschiedlich. Wem die Vielfalt allerdings nicht reicht, der hat im Editor die Möglichkeit, eine eigene Karte zu kreieren. Haben wir uns für eine Karte entschieden, erfolgen die ersten Schritte: Strom- und Wasserversorgung aufbauen, erste Wohn- und Industriegebiete einziehen und die Gebiete sowie die Wasserstationen mit Stromleitungen versorgen. Vergisst man aus Versehen eine dieser Komponenten, geht man bald bankrott. Das kann am Anfang teilweise zu Frustration führen, nach kurzer Zeit hat man aber den Dreh raus. Und dann kann man seine Stadt erweitern. Aber bei der Expansion ist stets zu beachten: Nichts überstürzen. Alles peu à peu aufbauen und lieber ein etwas dickeres finanzielles Polster haben. Wenn die Stadt gut läuft wird man auch in kurzen Intervallen für das Wachstum belohnt, indem man Meilensteine erreicht. Diese spülen nicht nur gutes Geld in die oft leere Stadtkasse, durch sie werden auch neue Gebäude und Funktionen freigeschaltet. Allerdings gilt auch hier: Nicht direkt alle Gebäude kaufen, sondern erst mal abwarten und langsam neue Dinge integrieren. So kann die Stadt gut und sicher wachsen.
Soweit zum Spiel-Prinzip. Was schon nach kurzer Zeit auffällt: Das Spiel ist extrem gut balanciert: Zu neuen Meilensteinen braucht es nicht zu lange, es geht aber (außer am Anfang) auch nicht zu schnell. Die freigeschalteten Dinge sind meistens sehr sinnvoll und für die aktuelle Stadtentwicklung gerade richtig.
Ein wichtiger Teil des Spiels, der übrigens auch nach und nach freigeschaltet wird, ist das Transportsystem. Mit dem sollte man sich unbedingt beschäftigen, denn das kann die meist überfüllten Straßen sehr entlasten. Meine persönliche Strategie war übrigens, die ganze Stadt mit einem U-Bahn-Netz zu versehen und Buslinien als Zubringer zu den U-Bahn-Stationen fungieren zu lassen. Da gibt es aber sicherlich noch andere Methoden. Als besonders sinnvoll hat sich im Transportsystem der Frachthafen herausgestellt. Der entlastet die Autobahn sehr stark, der Kauf ist also auf jeden Fall eine Überlegung wert. Während das U-Bahn- und Schiff-System wunderbar funktionieren, hat das Bus-System einen kleinen Markel: Die Haltestellen sind oft hoffnungslos überfüllt und Abhilfe schaffen kann man kaum. Sie sind sogar hoffnungslos überfüllt, dass es viele Menschen vorziehen, Gymnastik-Übungen zu machen. Richtige Probleme gab’s in unserem Test mit Zugsystem, dort wollten nicht immer alle Linien so funktionieren, wie wir uns das gedacht hatten. Außerdem entstanden Zug-Staus.
Ansonsten funktioniert das Transportsystem aber wirklich gut. Klar sollte einem allerdings sein: Man zahlt immer gehörig drauf – es ist also wie im echten Leben: Das Nahverkehrssystem kann sich kaum bis gar nicht selbst tragen.
Für einzelne Stadtteile kann man das Nahverkehrssystem sogar kostenlos machen – womit wir beim nächsten Feature des Spiels wären: Wir können Stadtteile einziehen und mit Richtlinien versehen. Wir können sie unterschiedlich besteuern, Vorgaben machen oder gezielt investieren. Dieses Feature ist ideal für die Optimierer unter uns. Für die dürfte auch das Wirtschaftsfenster interessant sein: Hier lassen sich die Steuern und Budgets anpassen. Wer darauf keine Lust hat, kann diese Anpassungen aber auch einfach sein lassen. Unter Umständen kann eine Steuererhöhung nämlich unangenehme Folgen haben: Große Teile der Einwohner ziehen schlagartig aus und dann ham wir den Salat.

Dieses Phänomen kann auch eintreten, wenn man seine Statistiken oben Links im Menü nicht im Auge behält. Wir müssen uns um eine ausreichende Wasser- und Stromversorgung, um eine Abfallentsorgung, die Gesundheit, Bildung und das Bestattungswesen kümmern. Lässt man eine Komponente außer Acht, beispielsweise das Bestattungswesen, bleiben die Verstorbenen in ihren Häusern und die Anwohner ziehen aus – dieser Auszug kann sich in rasantem Tempo vollziehen, also heißt es aufpassen. Für das Bestattungswesen mit verantwortlich sind die Krematorien. In der Beschreibung dieser Krematorien zeigt sich der zugegebenermaßen etwas makabere Humor der Entwickler, ich zitiere: „Die moderne Entsorgung der Verstorbenen erfolgt mithilfe von Wärmeenergie. Zufälligerweise spart das auch Platz“ – hätt‘ man ja auch etwas chamanter ausdrücken können.

Wenn wir diese Dinge befolgen, können wir immer wieder neue Wohn-, Gewerbe, Büro- und Industriegebiete hinzufügen, Land zukaufen und so unsere Stadt immer weiter vergrößern.

Die Grafik im Spiel ist eigentlich ganz nett. Die Tilt-Shift-Optik mit engem Schärfebereich ist sicherlich nicht jedermanns Sache, sie lässt sich allerdings im Menü anpassen. Ansonsten sind die Fahrzeuge und Gebäude hünbsch modelliert, das Stadtbild ist farbig und macht einen realistischen, belebten Eindruck. Nur das Flimmern mancher Gebäude fällt negativ auf. Neben der Grafik kann das Spiel auch in Sachen Gameplay überzeugen: Objekte lassen sich gut entfernen und versetzen, neue Gebiete kann man schnell durch das Flächentool einfärben. Nur beim Erstellen neuer Linien kann es manchmal Probleme geben. Ansonsten ist das Gameplay wirklich gut gelungen.
Bei den Sounds sieht’s ähnlich aus: Das Großstadtfeeling kommt beim Heranzoomen an die Stadt sehr gut rüber. Hupen, Sirenen, lärmende Autos, alles ist super zu hören. Die Hintergrundmusik hält sich oft dezent im Hintergrund, an mancher Stelle tritt sie allerdings auch etwas in den Vordergrund. Bei drohender Gefahr durch unzufriedene Bewohner gibt es dezente Warntöne.
Die KI im Spiel funktioniert überwiegend hervorragend: Feuerwehrautos rücken zu Bränden aus, Müllwagen fahren die Häuser an und die Bevölkerung fährt zur Arbeit oder nach Hause. Allerdings nutzt man bei Feuerwehr und Polizei nicht immer die nächstgelegene Station, was zu unnötig langen Wartezeiten bei Enbrüchen und Bränden führt.
Laut Beschreibung des Spiels soll jeder einzelne Charakter ein eigenes, nachvollziehbares Leben haben. Das überprüfen wir doch gleich mal am arbeitslosen Jugendlichen Ashley Cooper – und stellen fest: Das, was man uns verspricht, funktioniert tatsächlich. Im Test riss die Verfolgung bei einigen Personen einfach ab, größtenteils klappt sie aber super. Wenn man ganz genau hinschaut, entdeckt man noch ein paar Probleme mit den Autos und den Menschen. Die Menschen bewegen sich zum Beispiel eigentlich viel zu schnell und die Autos ploppen einfach irgendwo auf und fahren dann durcheinander. Dieses Phänomen ist übrigens auch bei den Schiffen festzustellen. Das ist nicht so schön, ist aber in einer Städtebausimulation auch kein Drama.
Der Umfang des Spiels ist unfassbar groß. Er begeistert uns. Selbst nach zehn Stunden Spielzeit, in denen keine Langeweile aufkam, haben wir noch nicht alle Gebäude freigeschaltet. Die Aufgaben im Spiel gehen eindeutig weit über die eines Bürgermeisters – und das ist gut so.
Neben den unzähligen Features im Spiel selber existieren ein Editor und eine sehr gute Modunterstützung.
Ebenfalls gut gelungen ist die Balance. Man wird nicht einfach reich, sondern muss stets beim Spiel bleiben und auf die Bewohner reagieren. Man arbeitet sich von Meilenstein zu Meilenstein und schaltet damit neue Features frei, langweilig wird’s dabei aber nie. Cities: Skylines ist einfach gut ausbalanciert.
Und natürlich stimmt auch die Atmosphäre im Spiel.

Bilder zu Cities: Skylines


 

 



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